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Brücken in Berlin – mehr als in Venedig

Kiezgeschichte aus der Hauptstadt
Oberbaumbrücke📌
In Berlin gibt es mehr Brücken als in der Lagunenstadt Venedig. Wie viele es genau sind ist ungewiss, die Angaben schwanken zwischen 969 und 2100. Je nachdem was man als Brücke zählt. Verwunderlich ist die Vielzahl an Überquerungen nicht, schließlich zählt Berlin zu den wasserreichsten Städten Deutschlands.

Die Oberbaumbrücke gilt als schönste Brücke Berlins. Sie verbindet seit Ende des 19. Jahrhunderts Friedrichshain und Kreuzberg über die Spree. Über sie führt nicht nur der Straßenverkehr, sondern auch Berlins älteste U-Bahn-Linie. Das Tragwerk für die Gleise im Hochbahnviadukt wurde verkleidet und mit mittelalterlich anmutendem Schmuck versehen. Architekt Otto Stahn schuf so ein Bauwerk, das einer Burg ähnelt. Der Name der Brücke geht auf die Zollstation, die sich früher hier befand, zurück. Nachts wurde der Durchlass der Spree mit einem dicken, mit Eisennägeln bewehrten Stamm verschlossen, dem sogenannten Baum.

Die Glienicker Brücke verbindet Berlin und Potsdam. Weltweite Bekanntheit erlangte die grüne Stahl-Fachwerk-Konstruktion über der Havel als Schauplatz des Kalten Krieges. Die USA und die Sowjetunion tauschten über die Brücke dreimal Spione aus. Sie diente auch als Drehort für Steven Spielbergs Thriller „Brigde of Spies“, der 2015 mit Tom Hanks in die Kinos kam. Ihren Namen verdankt die Straßenbrücke, über deren Mitte die Landesgrenze zwischen Brandenburg und Berlin verläuft, dem in der Nähe gelegenen ehemaligen Gut Klein Glienicke, an dessen Stelle heute das Schloss Glienicke steht.

Die Kronprinzenbrücke war eine der ersten wieder hergestellten Ost-West-Verbindungen nach dem Mauerfall. Zwischen Kanzleramt und Charité führt sie über die Spree und verbindet die Berliner Stadtteile Mitte (Ost) mit Tiergarten (West). Die weiße Stahlkonstruktion mit integrierter Beleuchtung, die nach den Plänen des spanischen Architekten Santiago Calatrava errichtet wurde, ersetzt die im Krieg zerstörte historische Brücke, die denselben Namen trug. Die Kosten für das Prestigeobjekt, das ein Symbol des wiedervereinigten Europa darstellen soll und mit finanzieller Unterstützung der EU gebaut wurde, beliefen sich auf 17 Millionen Euro.

Unweit von der Kronprinzenbrücke verbindet der Marie-Elisabeth-Lüders-Steg als öffentliche Fußgängerbrücke zwei Parlamentsneubauten - das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus (MEL) mit dem Paul-Löbe-Haus (PLH).

Glienicker Brücke📌
Kronprinzenbrücke📌
Jannowitzbrücke📌
Die Jannowitzbrücke ist das Nord-Süd-Nadelöhr Berlins. Die erste Brücke wurde 1822 von Christian August Jannowitz gebaut, der für die Überquerung eine Maut verlangte. Die jetzige Überführung über die Spree ist die vierte Brücke, die dort errichtet wurde.

Brücken-Wissen
Mit 932 Metern ist die Rudolf-Wissell-Brücke, die längste Brücke der Hauptstadt. Sie ist ein Teilstück der Bundesautobahn 100 (Stadtring Berlin) und wurde 1961 fertiggestellt.

Die älteste erhaltene Brücke Berlins ist die Jungfernbrücke, die 1798 erbaut wurde. Sie ist die einzige der früheren insgesamt neun baugleichen Klappbrücken. Die Jungfernbrücke überspannt den Spreekanal und verbindet die Straßen Friedrichsgracht und Oberwasserstraße.

Die Löwenbrücke im Großen Tiergaren ist die erste Hängebrücke der Stadt. Die gut 17 Meter lange Holzbrücke wurde 1838 errichtet und erhielt ihren Namen nach den vier gusseisernen Löwen, die die Brückenenden flankieren. Seit 2008 ist die Brücke wegen Baufälligkeit geschlossen.

Buch-Tipp
Eckhard Thiemann ist Experte, wenn es um die Brücken der Hauptstadt geht. Schließlich hat sich der Bauingenieur sein gesamtes Berufsleben mit ihnen beschäftigt, erst in der Brückenbauverwaltung in Ost-Berlin, später im Brückendezernat im Brandenburgischen Autobahnamt. In seinem Buch beschreibt er die Entstehung vieler Brücken und ihre Veränderung im Laufe der Zeit.

Eckhard Thiemann: "Berliner Brücken. Ein stadtgeschichtlicher Streifzug", Jaron Verlag, Taschenbuch, 8,60 Euro